KOLUMBIEN

Über fünf Jahrzehnte bewaffneten Konflikts sind Ursache dafür, dass Kolumbien mit explosiven Kampfmittelrückständen (ERW) übersät ist, welche die Bevölkerung bedrohen und die wirtschaftliche Erholung in weiten Bereichen des Landes erschweren. Tatsächlich zählt Kolumbien mit 11.523 verzeichneten Minenopfern zu den am meisten betroffenen Ländern der Welt. Zu den guten Nachrichten gehört, dass das Jahr 2017 mit 50 Opfern das Jahr mit den wenigsten Opfern seit Beginn der Aufzeichnungen ist. 50 Menschen, die durch Minen, Blindgänger (UXO) oder durch zurückgelassene Munition getötet oder verstümmelt wurden, sind immer noch zu viel, aber die Reduzierung ist ermutigend im Vergleich zu den 1.232 verzeichneten Opfer des Jahres 2006, dem Jahr mit den meisten Minenopfern in der Geschichte Kolumbiens.

Das Friedensabkommen, das im November 2016 zwischen der Regierung und der FARC geschlossen wurde, bot einen günstigen politischen Kontext für die Entwicklung des strategischen Plans der Minenräumungsbehörde -Descontamina Colombia- für die Jahre 2016-2021, mit dem übergeordneten Ziel, Kolumbien im Jahr 2021 für minenfrei zu erklären, in Abstimmung mit der Zielsetzung im Rahmen der Ottawa-Konvention zum internationalen Verbot von Antipersonenminen. Während dieses Ziel oft als überambitioniert bewertet wird, ist der Fortschritt signifikant, der bisher durch die humanitären Minenräumungsorganisationen unter Koordination und Leitung durch Descontamina Colombia erzielt wurde. Bis Ende Februar 2018 wurden von 673 Gemeinden (60 % des Staatsgebiets Kolumbiens), die anfangs als ERW-verseucht ausgewiesen wurden, 181 mittlerweile als frei von Minen erklärt. Von diesen wurden 29 vollständig geräumt und bei 157 wurde die Räumung abgeschlossen, nachdem gründliche Untersuchungen und die Sammlung qualifizierter Informationen am Boden ergaben, dass keine Gefahr mehr vorliegt. Momentan finden im Land Einsätze zur Minenräumung in 252 Gemeinden mit umfangreicher Kontaminierung durch ERW statt.

Die FSD bietet Descontamina Colombia seit dem Frühjahr 2016 technische Unterstützung mit einem Team von Experten, die Erfahrung im Bereich EOD haben, mit Minen-Suchhunden, mechanisierter Minenräumung, Umweltschutz und seit kurzem auch mit Informationsmanagement. Es wurden 15 nationale Normen zur Minenräumung herausgegeben, die alle Aktivitäten und Technologien zur humanitären Minenräumung regeln, einschließlich der Aufklärung über die Gefahr durch Minen, Akkreditierung, Aufgabenzuweisung, technischer und nicht-technischer Überwachung, Markierung und Organisation des Arbeitsorts, manueller Räumung, mechanisierter Minenräumung, Minen-Suchhunde (MDD), Entsorgung explosiver Kampfmittel (EOD) und Opferunterstützung.

Die Akkreditierung von Minenräumungs-Agenturen und die Überwachung von Einsätzen am Boden fällt unter die Verantwortung eines externen Expertengremiums der Organisation Amerikanischer Staaten, das ebenfalls durch Experten der FSD unterstützt wird. Bislang gibt es fast 6000 manuelle Minenräumer, 8 Maschinen zur Bodenvorbereitung und 24 MDD-Paare (Hund und Betreuer), die offiziell in Kolumbien akkreditiert sind.

Außerdem half die FSD bei der Ausfertigung des Umweltdekrets (# 1195, 2017), das darauf abzielt, die Umweltauswirkungen der humanitären Minenräumung im Staatsgebiet zu reduzieren, insbesondere in Naturparks und sonstigen Schutzgebieten von hohem ökologischem Wert. Kolumbiens Position als Land mit der zweithöchsten Biodiversität der Welt macht dieses Dekret zu einem Muss, da die Minenräumung ökologisch sehr invasiv sein kann. Das Dekret legt Bestimmungen und Maßnahmen fest, um die Auswirkungen während der Bodenvorbereitung und der Räumung zu verhindern oder zu minimieren und um die Erholung des Bodens nach dem Abschluss der Einsätze zu erleichtern. Minenräumungseinsätze in Naturreservaten und geschützten Gebieten sind nur dann erlaubt, wenn Umweltbehörden versichert werden können, dass die höchsten Normen befolgt werden.

Herausforderungen der humanitären Minenräumung

Mehrere Faktoren machen die humanitäre Minenräumung in Kolumbien sehr herausfordernd. In Kolumbien gibt es üblicherweise keine Minenfelder, sondern Gefahrenbereiche mit einer geringen Dichte an Kontamination durch explosive Kampfmittelrückstände, die meisten davon improvisiert (im Gegensatz zu konventionellen Minen), die in abgelegenen Gebieten mit schwierigem Zugang, grober Topografie und dichter Vegetation liegen. In diesem Zusammenhang hat sich die Nutzung von MDD als sehr effizient, zeit- und ressourcensparend herausgestellt, da Hunde die spärlich verteilten Minen und improvisierten Sprengvorrichtungen rasch aufspüren. Jedoch ist der Schulungsprozess recht lang, da die Hunde mindestens zur Erkennung von 5 explosiven Substanzen (einschließlich chemischer Substanzen) trainiert werden müssen, die üblicherweise in Kolumbien vorzufinden sind.

Ein anderes Hauptproblem ist, dass im Rahmen der humanitären Minenräumung keine Sprengkörper genutzt werden können, um explosive Kampfmittelrückstände zu beseitigen. Folglich sind die Optionen, entweder auf das Militär/Polizeikräfte zu warten, um die aufgefundenen Kampfmittel zu beseitigen, was sehr langwierig sein kann, oder alternative Beseitigungsmethoden zu verwenden, bei denen keine Sprengkörper gebraucht werden (hauptsächlich Wassergewehre, Thermit und Deflagration). Um folglich die Räumung zu beschleunigen, ist es wichtig, dass Minenräumungs-Organisationen die Anzahl an EOD-akkreditierten Mitarbeitern, welche diese Beseitigungstechniken beherrschen, erhöhen.

Trotz dieser Herausforderungen ist das Ziel, Kolumbien bis zum Jahr 2021 minenfrei zu machen, erreichbar. Und die FSD wird dank der großzügigen Unterstützung durch das US Department of State Office of Weapons Removal and Abatement (PM/WRA) weiterhin zum Erreichen dieses Ziels beitragen.

Bitte beachten Sie in Übereinstimmung mit der kolumbianischen Regierungsbehörde diesen Link: Klick hier wo die Registrierung, der Steuerstatus und andere gesetzliche Anforderungen hochgeladen werden.

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