Sportplätze räumen: Warum das so wichtig ist

13 Mai 2026 /  Perrine Cloup
Nach einem bewaffneten Konflikt beginnen die Minenräumungsmassnahmen häufig in Gebieten mit hoher Priorität, beispielsweise in landwirtschaftlichen Flächen, bei wichtiger Infrastruktur und in Wohngebieten. Die Räumung von Erholungsgebieten wie Sportplätzen und Gemeinschaftsbereichen ist jedoch ebenfalls von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit und den Zusammenhalt der Gemeinschaften.

Orte, an die Kinder selbstverständlich zurückkehren

Nach Beendigung der Feindseligkeiten kehren Kinder ganz selbstverständlich zu ihren Lieblingsspielplätzen zurück. Die Sicherung dieser Plätze trägt nicht nur dazu bei, Unfälle zu verhindern, sondern ermutigt die Kinder auch, an sicheren Orten zu spielen, anstatt sich in Gebiete zu begeben, die möglicherweise noch kontaminiert sind.

Im Irak war ein Fussballplatz aufgrund improvisierter Sprengkörper mehrere Jahre lang unbenutzbar. Nach den Räumungsmassnahmen der FSD konnte das Training wieder aufgenommen werden und die Kinder können nun wieder gefahrlos spielen.

Räume, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken

Sportanlagen spielen eine zentrale Rolle im Gemeinschaftsleben. Sind diese Anlagen geräumt und gesichert, werden sie zu starken Symbolen für die Rückkehr zur Normalität. Sie bieten Raum für Begegnung und fördern den sozialen Zusammenhalt — wesentliche Elemente für den Wiederaufbau konfliktbetroffener Gemeinschaften und die Schaffung der Grundlagen für einen dauerhaften Frieden.

In Tadschikistan haben FSD-Teams 14 Blindgänger beseitigt, die bei Bauarbeiten für ein Fussballtrainingszentrum in Varzob entdeckt wurden. Heute ist das Zentrum eröffnet und heisst eine neue Generation von Sportler·innen willkommen.

Sport als Unterstützung für die psychische Gesundheit

Krieg hinterlässt sowohl physische als auch emotionale Spuren, deren Auswirkungen noch Jahre später spürbar sind. Im besten Fall kann lokaler Sport dazu beitragen, diese Wunden zu heilen.
Sven Daniel Wolfe, Professor am Institut für Geographie der Universität Neuenburg, spezialisiert auf Sport und Konfliktsituationen. 

Das Leben in einem von Krieg geprägten Umfeld kann tiefe Spuren hinterlassen, insbesondere in Form von posttraumatischem Stress und Angstzuständen. In solchen Situationen kann Sport eine wichtige Rolle für die psychische Gesundheit spielen. Er hilft dabei, Stress abzubauen, ein Gefühl der Kontrolle zurückzugewinnen, Alltagsrhythmen wiederherzustellen und soziale Interaktion in einem strukturierten und sicheren Umfeld zu fördern.

In der Ukraine, im Irak und an anderen Orten hat die FSD dazu beigetragen, Spielplätze und Sportanlagen wieder zu eröffnen. Die erneute Nutzung dieser Orte ist nicht nur ein Zeichen für die Rückkehr zum normalen Leben, sondern fördert auch die individuelle und kollektive Genesung.

Eine Grossprojekt in der Ukraine

Aufbauend auf diesen Erfahrungen prüft die FSD derzeit ein Projekt zur Unterstützung der Räumung und Sanierung des Olympischen Trainings- und Sportzentrums in Tschernihiw, das durch den Konflikt schwer beschädigt wurde und möglicherweise durch explosive Kampfmittelrückstände kontaminiert ist.

Dieses durch den Konflikt beschädigte Stadion war früher Austragungsort für Spiele der Frauenfussball-Nationalmannschaft. Der Komplex umfasst ausserdem mehrere Sportschulen, eine Leichtathletikbahn, ein Gewichtheberzentrum sowie Einrichtungen für Turnen und Boxen.

Der Wiederaufbau nach einem Krieg ist für die Menschen, die in ihre Heimat zurückkehren und versuchen, wieder in den Alltag zu finden, ein langer und komplexer Prozess. Während sich die Minenräumung in erster Linie auf lebensrettende Massnahmen konzentriert, ist die Sicherung von Sportplätzen ebenso wichtig. So haben Kinder wieder Platz zum Toben, junge Menschen können gemeinsam trainieren und Familien und Nachbar·innen können sich am Rande des Spielfelds treffen. Hier kehrt nach und nach auch wieder der Alltag zurück.