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Sind Minen verboten? Das Ottawa-Übereinkommen kurz erklärt
Das Ottawa-Übereinkommen ist das internationale Abkommen, das den Einsatz von Antipersonenminen verbietet. Es ist auch als Minenverbotsvertrag oder Übereinkommen über das Verbot von Antipersonenminen bekannt und hat dazu beigetragen, den weltweiten Einsatz dieser Waffen zu reduzieren und die Zivilbevölkerung in von Konflikten betroffenen Ländern zu schützen.
Landminen: ein wachsendes Problem in den 1990er Jahren
Landminen gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts, wobei erste Vorläufer bereits während des Amerikanischen Bürgerkriegs auftauchten. Doch wirklich verbreitet wurden sie dann im Zweiten Weltkrieg, als die Länder begannen, sie millionenfach zu produzieren. Ihr Einsatz setzte sich während des gesamten Kalten Krieges sowie in Konflikten in Afrika, Asien und im Nahen Osten fort. Jahrzehntelang galten Landminen als wirksame militärische Waffen: Sie konnten vorrückende Truppen aufhalten, Stellungen schützen und die Bewegungen des Feindes lenken. Mit der Zeit liessen sich ihre langfristigen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung jedoch nicht mehr ignorieren.
Da sie im Boden zurückblieben, töteten und verletzten sie noch Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte nach Ende der Kämpfe, Menschen. Anfang der 1990er Jahre waren Landminen eines der dringendsten humanitären Probleme in von Konflikten betroffenen Ländern. Jedes Jahr wurden Zehntausende Zivilpersonen getötet oder verletzt. Ackerland wurde unbrauchbar, vertriebene Familien konnten nicht in ihre Heimat zurückkehren und ganze Gemeinschaften blieben in Armut gefangen, weil der Boden zu gefährlich war.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, gründeten sechs humanitäre Organisationen im Jahr 1992 die Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL). Kanada übernahm daraufhin die Führung bei den Verhandlungen über das spätere Ottawa-Übereinkommen. Auf einer Konferenz in Ottawa im Jahr 1996 forderte der kanadische Aussenminister Lloyd Axworthy die Staaten dazu auf, innerhalb eines Jahres mit einem fertigen Vertrag zum Verbot von Landminen zurückzukehren. Damit umging er den langwierigen offiziellen Verhandlungsprozess. Bis Dezember 1997 hatten 122 Länder den Vertrag unterzeichnet. Im selben Jahr wurden die ICBL und ihre Koordinatorin Jody Williams mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Dieser Vertrag über das Verbot von Antipersonenminen war das Ergebnis beispielloser Bemühungen von Regierungen, humanitären Organisationen, Überlebenden und Aktivist·innen, die argumentierten, dass die humanitären Folgen von Antipersonenminen deren militärischen Nutzen bei Weitem überwiegen.
Im selben Jahr, in 1997, gründete eine Gruppe von Schweizer Experten aus dem humanitären Bereich die Organisation FSD. Sie waren entschlossen, die verheerenden Folgen von Landminen zu bekämpfen und zur Umsetzung der Ziele des Vertrag beizutragen (Mehr erfahren). Seitdem haben FSD-Teams über 214’000 Antipersonenminen geräumt und somit dazu beigetragen, dass die internationalen Verpflichtungen gegen Landminen vor Ort in konkrete Ergebnisse umgesetzt wurden.
Wussten Sie schon?
Fast jedes dritte Land weltweit ist durch Minen und explosive Kriegsrückstände kontaminiert.
Was verbietet das Ottawa-Übereinkommen eigentlich?
Das Übereinkommen verbietet Antipersonenminen vollständig. Staaten, die dem Übereinkommen beitreten, dürfen demnach keine Antipersonenminen mehr einsetzen, herstellen, erwerben, lagern oder weitergeben (Mehr erfahren).
Nicht alle Minen fallen unter das Ottawa-Übereinkommen. Der Vertrag gilt speziell für Antipersonenminen, die so konstruiert sind, dass sie durch die Anwesenheit, die Nähe oder den Kontakt einer Person zur Detonation gebracht werden. Einmal verlegt, können sie nicht zwischen Soldaten und Zivilpersonen unterscheiden. Diese wahllose Wirkung ist einer der Hauptgründe für ihr Verbot und ein grundlegendes Prinzip des humanitären Völkerrechts. Antifahrzeugminen, die auf Fahrzeuge abzielen und für deren Detonation in der Regel ein höherer Druck erforderlich ist, sowie Seeminen, die im Wasser eingesetzt werden, fallen hingegen nicht in den Geltungsbereich des Vertrags.
Länder, die dem Ottawa-Übereinkommen beitreten, müssen:
- ihre Bestände innerhalb von vier Jahren vernichten
- alle verminten Gebiete innerhalb von zehn Jahren räumen (Verlängerungen sind möglich)
- Hilfe für Minenopfer leisten
Vertragsstaaten, die nicht über die erforderlichen Kapazitäten verfügen, um die Kontamination selbst zu bewältigen, können, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, auf Organisationen wie die FSD zurückgreifen, die sich auf humanitäre Minenräumung spezialisiert haben. Die Arbeit dieser Organisationen umfasst die Untersuchung kontaminierter Gebiete, das Aufspüren von Landminen und ihre sichere Entschärfung in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden. Durch die Sicherung des Geländes werden Leben gerettet, Hindernisse beim Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen beseitigt und den Gemeinschaften der Wiederaufbau ermöglicht.
Sind alle Länder dem Ottawa-Übereinkommen beigetreten?
Das Ottawa-Übereinkommen ist eines der weltweit am stärksten unterstützten humanitären Abrüstungsabkommen mit 162 Vertragsstaaten – mehr als vier von fünf Staaten weltweit (Liste der Vertragsstaaten anschauen).
Als jüngster Beitritt kam im Mai 2026 der Libanon hinzu, nachdem bereits 2025 die Marshallinseln und Tonga beigetreten waren. Der Beitritt des Libanon fand breite Beachtung, da er zu einem Zeitpunkt erfolgte, als das Land noch von einem aktiven Konflikt betroffen war. Einige Staaten, die dem Vertrag nicht beigetreten sind, lehnen Beschränkungen für Antipersonenminen ab. Sie begründen dies mit Bedenken hinsichtlich ihrer nationalen Sicherheit und Verteidigung. Zu diesen Staaten zählen bedeutende Militärmächte wie China, Indien, Pakistan, Russland und die Vereinigten Staaten.
Im Jahr 2025 kündigten Estland, Finnland, Lettland, Litauen und Polen ihren Austritt aus dem Ottawa-Übereinkommen an. Die Ukraine erklärte hingegen, die Anwendung des Übereinkommens auszusetzen. Diese Entwicklungen zeigen den zunehmenden Druck auf das Minenverbot in einem sich wandelnden sicherheitspolitischen Umfeld. Da einige Staaten dem Übereinkommen weiterhin nicht beigetreten sind und andere einen Austritt anstreben, sind anhaltende Bemühungen, auf die humanitären Folgen von Antipersonenminen aufmerksam zu machen, nach wie vor unerlässlich.
Die Umsetzung des Ottawa-Übereinkommens
Hat das Ottawa-Übereinkommen also tatsächlich etwas bewirkt? Zwar stellen Landminen in vielen Teilen der Welt nach wie vor eine grosse Bedrohung dar, doch hat das Übereinkommen die weltweite Reaktion auf diese Waffen grundlegend verändert. Seit dem Inkrafttreten des Vertrags wurden erhebliche Fortschritte erzielt. So wurden über 55 Millionen gelagerte Antipersonenminen vernichtet, wobei 94 Vertragsstaaten die Vernichtung ihrer Bestände bereits abgeschlossen haben (Quelle). Der Vertrag hat zudem dazu beigetragen, eine starke internationale Norm gegen Antipersonenminen zu etablieren. Obwohl nach wie vor zwölf Staaten auf der Liste des Landmine Monitor stehen, die solche Minen entwickeln, herstellen oder erwerben, wurden im Jahr 2025 jedoch nur vier davon als Länder identifiziert, die Antipersonenminen aktiv herstellen oder entwickeln (Quelle). Seit 1999 haben 31 Vertragsstaaten die Räumung von verminten Gebieten abgeschlossen. Allein im Jahr 2024 wurden mehr als 1’100 km² Land, das bekanntermassen oder vermutlich vermint war, freigegeben und dabei wurden mindestens 105’640 Antipersonenminen vernichtet (Quelle).
Schätzungen zufolge hat der Vertrag allein zwischen 1999 und 2013 mehr als 280’000 Menschenleben gerettet (Quelle). Er hat auch Länder beeinflusst, die dem Vertrag nicht beigetreten sind. Mehrere von ihnen haben nationale Massnahmen zur Einschränkung des Einsatzes von Antipersonenminen ergriffen.
Das Ottawa-Übereinkommen in Zahlen
162
Länder sind dem Ottawa-Vertrag beigetreten
+ 55 Millionen
gelagerte Antipersonenminen wurden von den Vertragsstaaten vernichtet
+ 280’000
Menschenleben wurden Schätzungen zufolge zwischen 1999 und 2013 gerettet
Die Bedrohung ist nicht verschwunden
Einmal verlegt, kann eine Landmine jahrzehntelang aktiv bleiben, sofern sie nicht aufgespürt und zerstört wird. Aus diesem Grund leiden Gemeinschaften noch lange nach Beendigung von Konflikten unter den Folgen der Minenverseuchung. Im Jahr 2024 wurden 6’279 Menschen durch Landminen und andere explosive Kriegsrückstände getötet oder verletzt – die höchste Zahl seit vier Jahren. Davon gingen 1’540 Opfer speziell auf industrielle Antipersonenminen zurück – die höchste Zahl seit 2011. Neun von zehn Opfern waren Zivilpersonen, und fast die Hälfte davon waren Kinder (Quelle).
Die Zahlen für den Zeitraum 2000–2024 stammen direkt aus den Jahresberichten des Landmine Monitor. Zwischen 1997 und 2000 wurden weltweit schätzungsgemäss jährlich 15’000 bis 20’000 Menschen durch Antipersonenminen getötet oder verletzt (Quelle). Diese Zahlen umfassen nur gemeldete Opfer und spiegeln daher nicht unbedingt das tatsächliche Ausmass der minenbedingten Unfälle wider.
Zu den am stärksten betroffenen Ländern zählen Myanmar, die Ukraine, Afghanistan, Syrien und der Jemen (Quelle). In den letzten Jahren ist zu den Hinterlassenschaften früherer Kampfhandlungen eine neue Kontamination hinzugekommen. Sie steht im Zusammenhang mit den anhaltenden Konflikten und hat zu einem erneuten Anstieg der Opferzahlen beigetragen.
Diese Zahlen verdeutlichen, warum Organisationen wie die FSD Minenräumung durchführen. Solange kontaminierte Gebiete nicht geräumt sind, hilft eine kontextbezogene Aufklärung über die Gefahren durch explosive Kampfmittel den betroffenen Gemeinschaften, die Risiken zu verstehen und sich sicherer zu verhalten, um Unfälle zu vermeiden. Letztendlich lässt sich die Bedrohung jedoch nur durch die Räumung von Minen und explosiven Kampfmittelrückständen beseitigen. Das verhindert nicht nur Opfer, sondern ermöglicht auch die Wiederbewirtschaftung des Landes, die Rückkehr von Familien in ihre Häuser und den Beginn des Wiederaufbaus von Gemeinschaften. Die Minenräumung ist somit einer der ersten Schritte beim Wiederaufbau eines Landes und kein nachträglicher Einfall, sobald der übrige Wiederaufbau bereits im Gange ist.
Wussten Sie schon?
Von 100 zivilen Opfern von Minen und Blindgängern sind 46 Kinder.
Wer kontrolliert, ob die Länder die Ottawa-Konvention einhalten?
Das Ottawa-Übereinkommen verfügt nicht über ein eigenes internationales Kontroll- oder Durchsetzungsgremium. Stattdessen berichten die Vertragsstaaten regelmässig über die Massnahmen, die sie zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen ergreifen, während unabhängige Organisationen die Fortschritte verfolgen und auf mögliche Probleme hinweisen. Der Landmine Monitor, eine Initiative der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen, veröffentlicht unabhängige Berichte über die Umsetzung des Vertrags.
Parallel dazu unterstützt die in Genf ansässige Stelle zur Umsetzung des Minenverbotsvertrags die Vertragsstaaten bei der Umsetzung des Abkommens. Die Vertragsstaaten treffen sich zudem regelmässig, um Fortschritte und Herausforderungen zu erörtern. Alle fünf Jahre bringt eine Überprüfungskonferenz die Vertragsstaaten und andere Akteure zusammen, um eine Bilanz der Fortschritte zu ziehen und Prioritäten für die kommenden Jahre zu vereinbaren. Die letzte Konferenz dieser Art fand im November 2024 in Kambodscha statt. Neben den Vertragsstaaten und anderen Minenräumorganisationen nahm auch die FSD daran teil.
Solange Antipersonenminen weiterhin verlegt werden, bleibt die humanitäre Minenräumung unverzichtbar. Doch jede zerstörte Mine, jedes geräumte Minenfeld und jede Gemeinschaft, die wieder in Sicherheit ist, bringt die Welt dem Ziel der Ottawa-Konvention näher: eine Welt ohne Antipersonenminen.
Positiv ist, dass die von Antipersonenminen ausgehende Gefahr in vielen Ländern dank des Übereinkommens und der Arbeit von Minenräumorganisationen verringert wurde. Grosse Flächen wurden geräumt.
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