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Die vergessenen Kinder von Darwaz

10 Oct 2019 | Afghanistan, Minenräumung

Seit mehreren Jahren verfolgt die FSD in Afghanistan das Ziel, Risiken, die von explosiver Verseuchung ausgehen und die die umliegenden Gemeinden betreffen, zu erkennen und zu beseitigen. So möchte die FSD letztlich zu einer vielversprechenderen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in der afghanisch-tadschikischen Grenzregion beitragen. Das abgelegene Gebiet der afghanischen Provinz Badakhshan ist nach wie vor durch Landminen verseucht. Zudem ist die Region aufgrund des Pamirgebirges, das die südöstliche Spitze des Hindukusch-Gebirges bildet, vom übrigen Afghanistan abgeschnitten. Leider befinden sich die nächstgelegenen Städte mit administrativen und finanziellen Verbindungen zur Hauptstadt auf der anderen Seite des Gebirges von Badakhshan und sind damit nicht zu erreichen.

The team members with clearance mine material

Die Region Darwaz, die sich sowohl auf der tadschikischen als auch auf der afghanischen Seite der Grenze erstreckt, ist mit Tausenden von “Schmetterlingsminen” verseucht. Bei diesen handelt es sich um eine von der Sowjetunion entworfene (PFM-1) Antipersonenmine, die zwischen 1979 und 1989 von der Sowjetunion durch Luftabwürfe verbreitet wurde. Aufgrund der lokalen Geographie und des gebirgigen Geländes herrschen in der Region Darwaz strenge klimatische Bedingungen, die den Zugang einschränken und die Minenräumung in den Wintermonaten unmöglich machen.

Dieser erschwerte Zugang hindert auch andere Akteure daran, humanitäre Assistenz und Katastrophenhilfe zu leisten, was die Herausforderungen in der Region weiter verschärft. Trotz dieser Hindernisse, führt die FSD ihre Arbeit mit bewährten Systemen und gut ausgebildetem Personal fort; 2019 setzte die Organisation drei Teams für die manuelle Minenräumung und zwei für die Aufklärung über Minengefahren ein. Da Kinder in dieser Region die Hälfte der Opfer von Antipersonenminen ausmachen, organisiert die FSD Minenaufklärungskurse in Schulen, um Unfälle durch explosive Kriegsmunitionsrückstände zu verhindern.

FSD in action with documents in Afghanistan

Am Ende eines Minenaufklärungskurses erklärte der Englischlehrer Mardesha: “Wir schätzen die Arbeit sehr, die die FSD für Kinder und für die Gemeinschaft leistet. Ausserdem möchten wir die FSD auf die Rahmenbedingungen unserer Schule aufmerksam machen.” Die Bedingungen, von denen er spricht, sind katastrophal: Es gibt keine Stühle, kein Lehrmaterial, nur eine Tafel, und keine Heizung – was besonders in den Wintermonaten ein Problem darstellt. Infolgedessen ist sowohl das Lehren als auch das Lernen schwierig. Für Mardesha ist “alle Gewalt auf Analphabetismus zurückzuführen, weshalb Bildung eine wesentliche Voraussetzung für seine Bekämpfung darstellt”. In den letzten 20 Jahren fürchtet er täglich um seine Schülerinnen und Schüler; viele wurden verletzt und einige haben ihr Leben verloren. Er blickt jedoch zuversichtlich in die Zukunft: “Seitdem die FSD mit der Minenräumung begonnen hat, sind wir weniger Gefahren ausgesetzt und die Anzahl der kontaminierten Gebiete ist gesunken. Die Minenräumer haben viel Land gesäubert und an die Gemeinde zurückgegeben.”

Tatsächlich ist diese Region seit vielen Jahren stark von Minen betroffen. Die Bewohner fürchten oft um ihre Sicherheit und können Landwirtschaft nur in eingeschränktem Masse betreiben. Jede von Minen gesäuberte Fläche erhöht die Hoffnung der lokalen Bevölkerung auf ein besseres Leben. Aus diesem Grund ist die Arbeit der FSD für Darwaz so lebenswichtig; internationale Hilfe ist entscheidend, um zu nachhaltigem Frieden im Land beizutragen. Aufgrund der Präsenz vieler wichtiger ethnischer Gruppen und seiner wichtigen geografischen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit China und Zentralasien spielt Nordafghanistan auch in der politischen und kulturellen Diaspora Afghanistans eine wichtige Rolle. Daher setzt die FSD ihre Aktivitäten zur Minenräumung und zur Unterstützung der Minenopfer in der Region leidenschaftlich fort und fördert so nachhaltige Entwicklung und regionale Stabilität.

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